Dating mit dem Crawler
Es gibt diesen einen Moment, nachdem man die letzte Zeile Code geschrieben, das letzte Stylesheet optimiert und die Website endlich auf den Server geladen hat. Man lehnt sich zurück, nippt an seinem Kaffee und verspürt diesen kindlichen Drang, seinen eigenen Namen bei Google einzutippen. Nicht, weil man nicht wüsste, wer man ist, sondern weil man Bestätigung sucht. In meinem Fall war das Ergebnis ernüchternd. Nico Hartmann ist kein seltener Name. Es gibt Nico Hartmanns, die Fußball spielen, Nico Hartmanns, die in der Lokalpolitik tätig sind, und wahrscheinlich hunderte Nico Hartmanns, die einfach nur existieren, ohne das Internet mit ihrer Präsenz zu behelligen. Aber da stand ich nun, irgendwo auf Seite fünf oder sechs, begraben unter einer Lawine aus Namensvettern. In diesem Augenblick wurde mir klar, dass ich nicht nur eine Website gebaut hatte, sondern ein digitales Denkmal, das im tiefsten Wald steht, wo es niemand sieht. Das Bedürfnis, im Ranking nach oben zu rutschen, war plötzlich nicht mehr nur ein logischer nächster Schritt, sondern eine Frage der Ehre.
SEO ist das Zauberwort, das einem in jedem Marketing-Blog um die Ohren gehauen wird. Search Engine Optimization. Es klingt nach einer exakten Wissenschaft, fast schon nach Alchemie, aber eigentlich ist es die einzige Maßnahme, mit der ich Google und Co. manipulieren kann. Man versucht, ein System zu überlisten, das klüger ist als man selbst, indem man ihm genau das füttert, was es hören will. Ich fing also an, jede einzelne Unterseite mit korrekten Titeln und Beschreibungen zu versehen. Jedes Meta-Tag wurde poliert, jede Headline wurde drei Mal überlegt. Man fühlt sich dabei ein bisschen wie ein Betrüger, der versucht, sich in eine exklusive Party einzuschleichen. Das Ziel ist klar: Den Suchmaschinen muss es gefallen. Es geht nicht mehr darum, was der menschliche Leser denkt, sondern darum, was der Algorithmus in seinen dunklen Rechenzentren ausspuckt.
Die Kapitulation der Sprache vor der Statistik
Das Ganze hat eine erschreckende Ähnlichkeit mit LinkedIn. Wir alle kennen diese Plattform, auf der man sich gegenseitig auf die Schulter klopft und seinen Lebenslauf so weit aufbläst, bis er fast platzt. SEO ist im Grunde nichts anderes als das eigene Ego digital zu streicheln. Der einzige Unterschied ist die Zielgruppe. Anstatt Recruiter oder potenzielle Geschäftspartner möchte ich Roboter beeindrucken. Ich schreibe Texte für Wesen ohne Bewusstsein, die Wörter zählen, Keyword-Dichten berechnen und Ladezeiten in Millisekunden messen. Es ist eine bizarre Form der modernen Kommunikation, bei der der Mensch nur noch die Rolle des Lieferanten spielt, während der Bot entscheidet, ob man relevant ist oder nicht. Wenn der Bot lächelt, steigt das Ranking. Wenn der Bot die Stirn runzelt, bleibt man in der digitalen Bedeutungslosigkeit verschwunden.
Theoretisch klingt SEO recht einfach. Man nimmt ein paar Keywords, baut sie in den Text ein und wartet darauf, dass die Welt einen entdeckt. Doch die Realität holt einen schneller ein, als man Keyword Research buchstabieren kann. Es wird verdammt schnell sehr komplex. Das liegt vor allem daran, dass unterschiedliche Suchmaschinen unterschiedliche Voraussetzungen haben. Was Google liebt, ignoriert Bing vielleicht, und DuckDuckGo hat sowieso seine eigenen Regeln. Zudem muss man einsehen, dass man nicht für alles gefunden werden kann. Man kann nicht der König des Internets sein, wenn man keine Armee hat. Also muss man sich eine entsprechende Nische heraussuchen. Für mich war das schnell klar: IT-Dozent und Softwareentwicklung. Das sind die Begriffe, mit denen ich mein Brot verdiene und unter denen ich gefunden werden will.
Hier beginnt jedoch das strategische Dilemma. Ich bin auch Ausbilder, und eigentlich hätte ich dieses Wort liebend gerne noch mit im Titel gehabt. Es beschreibt einen Teil meiner Identität und meiner täglichen Arbeit. Aber die harte Realität der Suchmaschinenoptimierung sagt Nein. Würde ich noch mehr Stichwörter in den Ring werfen, würde ich meinen Fokus verwässern. Jedes zusätzliche Wort ist ein potenzieller Störfaktor, der die Relevanz der Hauptbegriffe mindert. Es ist ein ständiges Abwägen zwischen dem, was man eigentlich sagen will, und dem, was die Suchmaschine noch als fokussiert genug betrachtet. SEO zwingt einen zur Reduktion. Man verstümmelt seine eigene Beschreibung, nur um in den Augen eines Algorithmus nicht zu komplex zu wirken. Es ist die Kapitulation der Sprache vor der Statistik.
Der Fluch der Internationalität
Als wäre das nicht schon genug Arbeit, kam dann noch das Problem der Mehrsprachigkeit dazu. Ich habe mich bewusst für Multilingualität in Deutsch und Englisch entschieden. Der Gedanke dahinter war simpel und vielleicht ein bisschen naiv: Ich wollte meine Blogbeiträge einfach auch auf englischsprachigen Seiten reposten können. Internationalität klingt ja auch immer gut im Portfolio. Mein Plan war es, damit Backlinks zu generieren, die wiederum mein Suchranking in die Höhe treiben. Ein Backlink von einer renommierten englischen Seite ist wie eine Goldmedaille für die eigene Domain. So weit, so logisch. Doch die Umsetzung verwandelte mein sauberes Website-Konzept in ein bürokratisches Monster aus Verknüpfungen und Sprach-Tags.
Die Überraschung kam, als ich nach einiger Zeit tatsächlich nach Nico Hartmann IT-Dozent suchte. Ein kleiner Triumph keimte in mir auf, als ich meinen Namen tatsächlich an erster Stelle sah. Doch die Freude hielt nur Sekunden an. Google präsentierte mich zwar ganz oben, aber die Beschreibung war auf Englisch. Da sitzt man in Deutschland, sucht nach einem deutschen Begriff und bekommt ein englisches Snippet serviert. Das ist der Moment, in dem man die Tastatur am liebsten aus dem Fenster werfen würde. Google hat zwar verstanden, dass ich wichtig bin, aber nicht, welche Sprache für diesen speziellen Kontext angemessen ist. Der Algorithmus hat gewürfelt und ich habe verloren.
Also hieß es: Zurück ans Reißbrett. Ich musste hreflang-Attribute setzen. Für den Laien klingt das nach technischem Kleinkram, für den Website-Betreiber ist es der Versuch, der Suchmaschine eine Landkarte zu zeichnen, die sie gefälligst nicht ignorieren soll. Man teilt Google explizit mit, welche Seite für welche Region und welche Sprache gedacht ist. Und dann beginnt das große Warten. SEO ist kein Sprint, es ist ein Marathon durch den Schlamm. Man wartet ein bis zwei Wochen, bis die gnädigen Crawler von Google es endlich wagen, die Website neu zu betrachten. Man fühlt sich wie ein Bittsteller vor dem Thron eines launischen Königs, der hofft, dass seine Korrekturen diesmal gnädig aufgenommen werden.
Dieser ganze Prozess ist eine Lektion in Demut und Frustration. Man investiert Stunden in die Optimierung, nur um festzustellen, dass man von den Launen eines Konzerns abhängig ist, der seine Algorithmen schneller ändert, als man seine eigene Beschreibung anpassen kann. Es ist ein permanenter Kampf gegen Windmühlen, bei dem die Windmühlen aus Serverfarmen bestehen und die Lanze ein Texteditor ist. Man optimiert nicht für den Nutzer, man optimiert für die Maschine, in der Hoffnung, dass am Ende doch noch ein Mensch den Weg auf die Seite findet. Es ist ein absurdes Theater, in dem wir alle unsere Rollen spielen, nur um ein Stückchen Sichtbarkeit in einem Ozean aus Informationen zu ergattern.
Und während ich hier sitze und auf den nächsten Crawl warte, frage ich mich, ob das alles wirklich den Aufwand wert ist. Die Antwort ist ein frustriertes Ja, denn in der heutigen Welt existiert man nicht, wenn man nicht auf der ersten Seite steht. Man beugt sich dem Diktat der Suchmaschine, passt seine Sprache an, streicht Wörter, die man eigentlich mag, und setzt kryptische Attribute in den Header. Alles für den einen Moment, in dem die Suche nach dem eigenen Namen genau das Ergebnis liefert, das man sich so mühsam erkauft hat. Es ist ein digitaler Egotrip, der einen mehr Nerven kostet als jede Softwareentwicklung, aber am Ende siegt die Eitelkeit über die Vernunft.
Die Anatomie der Keywords
Wenn man tiefer in diesen Sumpf eintaucht, merkt man schnell, dass Keywords wie kleine Haustiere sind. Man muss sie pflegen, sie füttern und ihnen genau den richtigen Platz zuweisen. Wählt man die falschen, bellen sie einen an oder laufen weg. In meinem Fall war die Entscheidung für IT-Dozent und Softwareentwicklung eine rein strategische Wahl. Ich hätte auch Informatik-Lehrer oder Code-Coach nehmen können, aber wer sucht danach? Man verbringt Stunden mit Tools, die einem sagen, wie oft ein Begriff gesucht wird, nur um dann festzustellen, dass die Konkurrenz bei diesen Begriffen so gigantisch ist, dass man als Einzelkämpfer kaum eine Chance hat. Also sucht man nach der Lücke, nach dem goldenen Mittelweg zwischen Relevanz und Machbarkeit.
Es ist dieses ständige Abwägen zwischen dem Ego und dem Algorithmus. Man möchte sich vielleicht als „Visionär für digitale Transformation“ bezeichnen, doch das nützt wenig, wenn der Markt schlicht nach einem „Python Kurs“ verlangt. Diese Diskrepanz zwingt einen dazu, die eigene Identität in mundgerechte Häppchen zu zerlegen, die von Suchmaschinen leicht verdaut werden können. Dabei ist die Keyword-Recherche oft weniger eine exakte Wissenschaft als vielmehr ein psychologisches Pokerspiel gegen die Intention der Nutzer. Man analysiert Long-Tail-Keywords und Nischenbegriffe, in der Hoffnung, dass die spezifische Kombination aus Fachwissen und Standort genau den Nerv derer trifft, die nicht das erstbeste Massenangebot anklicken. Am Ende des Tages bleibt die Erkenntnis, dass Sichtbarkeit nicht durch die lautesten Begriffe entsteht, sondern durch die klügste Positionierung im Schatten der Giganten.
Der Fluch der Technik hinter der Sprache
Die Entscheidung für die Mehrsprachigkeit war rückblickend betrachtet wie der Versuch, zwei Flugzeuge gleichzeitig zu fliegen. Man denkt, man schreibt einfach alles doppelt und fertig ist die Laube. Aber Google sieht das anders. Für eine Suchmaschine ist doppelter Inhalt, der sogenannte Duplicate Content, ein rotes Tuch. Wenn man Pech hat, straft der Algorithmus einen dafür ab, dass man versucht, auf zwei Hochzeiten gleichzeitig zu tanzen. Die Lösung sind eben jene hreflang-Attribute, die ich bereits erwähnt habe. Diese kleinen Code-Schnipsel sind die diplomatischen Vertreter meiner Website. Sie sagen Google: Hey, das hier ist die deutsche Version für die Deutschen und das da ist die englische Version für den Rest der Welt. Bitte wirf sie nicht in einen Topf.
Es ist faszinierend und erschreckend zugleich, wie viel Zeit man mit technischem Overhead verbringt, der absolut nichts mit dem eigentlichen Inhalt zu tun hat. Ich möchte über Softwareentwicklung schreiben, über Didaktik in der IT, über moderne Technologien. Stattdessen verbringe ich meine Abende damit, XML-Sitemaps zu validieren und zu prüfen, ob meine Canonical-Tags richtig gesetzt sind. Man wird zum Bürokraten seiner eigenen Kreativität. Jede neue Seite, jeder neue Blogpost zieht einen Rattenschwanz an administrativen Aufgaben nach sich. Wenn man das nicht tut, bleibt der Beitrag ein einsamer Rufer in der Wüste. Man schreibt nicht mehr für die Freude am Schreiben, man schreibt für die Indexierung.
Die Arroganz der Crawler
Es gibt kaum etwas Frustrierenderes als die Wartezeit auf die Google-Bots. Diese digitalen Insekten krabbeln durch das Netz, indizieren Milliarden von Seiten und entscheiden über Erfolg oder Misserfolg. Man hat keinen Einfluss darauf, wann sie vorbeikommen. Man kann sie zwar über die Search Console einladen, ihnen quasi die Tür aufhalten und einen roten Teppich auslegen, aber am Ende kommen sie, wann sie wollen. Diese Ungewissheit ist Gift für jeden, der schnelle Ergebnisse sehen will. Man ändert eine Kleinigkeit, von der man überzeugt ist, dass sie den Durchbruch bringt, und dann starrt man tagelang auf einen unveränderten Suchschlitz.
In dieser Zeit beginnt man an sich selbst zu zweifeln. War das hreflang-Attribut wirklich korrekt? Habe ich vielleicht ein Anführungszeichen vergessen? Warum wird die englische Beschreibung immer noch angezeigt, obwohl ich die deutsche Seite priorisiert habe? Es ist ein psychologisches Spiel. Google ist der unsichtbare Schiedsrichter, der die Regeln während des Spiels ändert und einem nie genau sagt, was man falsch gemacht hat. Man bekommt nur vage Hinweise und muss den Rest durch Versuch und Irrtum herausfinden. Es ist eine Form der digitalen Knechtschaft, in die wir uns freiwillig begeben haben, weil wir die Sichtbarkeit brauchen wie die Luft zum Atmen.
Ich stehe da mit einer Website, die technisch gesehen einwandfrei ist, die aber immer noch gegen die Schatten meiner Namensvettern kämpft. Ich habe gelernt, dass IT-Dozent mein Anker ist und dass ich die englische Sprache mit Vorsicht genießen muss, wenn ich den deutschen Markt dominieren will. Es ist ein mühsamer Weg, geprägt von technischem Kleinkram und der ständigen Sorge um das Wohlwollen eines Algorithmus. Doch der Ehrgeiz ist geweckt. Wenn Google mich als Engländer sehen will, werde ich Google beweisen, dass ich der deutsche IT-Experte bin, den es sucht. Die Schlacht um Nico Hartmann hat gerade erst begonnen.
Die Tyrannei der Backlinks oder Warum Qualität allein niemals reicht
Nachdem ich die technischen Hürden der Mehrsprachigkeit und der Metadaten halbwegs umschifft hatte, stieß ich auf das nächste große Monster im SEO-Ozean: Die Autorität. Es reicht Google nämlich nicht, dass ich behaupte, ein kompetenter IT-Dozent zu sein. Die Suchmaschine will Beweise sehen. Im digitalen Zeitalter sind diese Beweise Backlinks. Ein Backlink ist im Grunde eine Empfehlung von einer anderen Website. Wenn eine renommierte IT-Seite auf mich verlinkt, denkt sich der Google-Algorithmus, dass dieser Nico Hartmann wohl doch kein Scharlatan ist. Also fing ich an, meine Strategie für das Reposting meiner Blogbeiträge auf englischsprachigen Plattformen wie Medium oder Dev.to zu verfeinern. Das Ziel war klar: Ich wollte die Reichweite dieser Giganten nutzen, um ein wenig von ihrem digitalen Glanz auf meine eigene kleine Domain umzuleiten.
Es ist eine seltsame Form der digitalen Prostitution. Man schreibt hochwertige Inhalte, verschenkt sie quasi an große Plattformen und hofft im Gegenzug auf einen kleinen, klickbaren Link, der den Crawler zurück nach Hause führt. Aber auch hier lauert die Komplexität. Es gibt no-follow und do-follow Links. Die einen sind für das Ranking so nützlich wie ein alkoholfreies Bier auf einer Hacker-Party, die anderen sind das digitale Gold. Natürlich vergeben die meisten großen Seiten standardmäßig nur die minderwertigen Links, um ihr eigenes Ranking nicht zu verwässern. Man kämpft also an vorderster Front um Anerkennung und bekommt oft nur Krümel zugeworfen. Dennoch ist dieser Prozess alternativlos, wenn man nicht ewig im Schatten der anderen Nico Hartmanns dieser Welt stehen will.
Das Dilemma des Content-Recyclings
Das Reposten auf englischen Seiten brachte mich zu einer weiteren schmerzhaften Erkenntnis. Man kann nicht einfach denselben Text eins zu eins kopieren. Suchmaschinen sind allergisch gegen Faulheit. Wer einfach nur kopiert, wird ignoriert. Ich musste also meine eigenen Texte für die englischen Plattformen umschreiben, anpassen und mit einem neuen Dreh versehen. Das Ganze sollte ja dazu dienen, meine Expertise als Softwareentwickler zu unterstreichen, aber am Ende verbrachte ich mehr Zeit mit dem Umformulieren von Sätzen als mit dem eigentlichen Programmieren. Es ist ein paradoxer Teufelskreis: Um als Experte für Softwareentwicklung wahrgenommen zu werden, muss man aufhören, Software zu entwickeln, und anfangen, ein Vollzeit-Werbetexter für sich selbst zu werden.
Besonders perfide ist dabei die psychologische Komponente. Man beobachtet die Statistiken. Man sieht, wie viele Leute den englischen Artikel gelesen haben, und hofft, dass wenigstens ein Bruchteil davon den Weg auf die ursprüngliche Portfolio-Seite findet. Doch die meisten Nutzer bleiben in ihrem Ökosystem. Sie lesen auf Medium, klatschen vielleicht kurz und ziehen weiter. Die Suchmaschine registriert zwar die Verbindung, aber der erhoffte massive Anstieg im Ranking bleibt oft ein leises Hintergrundrauschen. Man füttert die Bestie mit immer mehr Inhalten, in der Hoffnung, dass sie irgendwann satt ist und einem den Platz an der Sonne gewährt. Aber die Bestie Google hat niemals Feierabend.
Die Wartezeit und die Gnade der Crawler
Wenn man dann alle Backlinks gestreut und alle hreflang-Attribute zum zehnten Mal kontrolliert hat, beginnt die Phase der absoluten Machtlosigkeit. Man kann nichts mehr tun, außer zu warten. Das Internet ist ein riesiges Gedächtnis, das leider sehr langsam vergisst und noch langsamer lernt. Man prüft täglich die Search Console. Man schaut sich die Impressionen an, die Klicks, die durchschnittliche Position. Es ist wie das Beobachten von Gras beim Wachsen, nur dass das Gras manchmal mitten in der Nacht beschließt, wieder in den Boden zurückzukehren.
Einmal tauchte ich plötzlich für einen völlig irrelevanten Suchbegriff auf Platz eins auf, nur weil ich ihn einmal in einem Nebensatz erwähnt hatte. Das ist die Ironie von SEO. Man optimiert wie ein Besessener auf IT-Dozent und Softwareentwicklung, und Google entscheidet sich stattdessen, einen für einen Tippfehler in einem Code-Beispiel zu ranken. Man fühlt sich von der künstlichen Intelligenz nicht verstanden, sondern eher veralbert. Die Crawler sind wie Beamte in einer verstaubten Behörde: Sie arbeiten nach Regeln, die vor Jahren festgelegt wurden, und haben kein Interesse an deiner persönlichen Dringlichkeit. Wenn sie entscheiden, dass deine englische Beschreibung wichtiger ist als deine deutsche, dann bleibt das erst einmal so, bis die Akte in ein paar Wochen wieder oben auf dem Stapel liegt.
Die Nische als Rettungsanker
In diesem Chaos ist die Konzentration auf die Nische der einzige Weg, um nicht wahnsinnig zu werden. Ich habe mich damit abgefunden, dass ich niemals für das Wort Softwareentwicklung allein auf Platz eins stehen werde. Da kämpfen Konzerne mit Millionenbudgets und ganzen Heerscharen von SEO-Spezialisten. Aber für Nico Hartmann IT-Dozent? Das ist mein Spielfeld. Hier kann ich gewinnen, wenn ich hartnäckig bleibe. Die Beschränkung ist hier keine Schwäche, sondern eine notwendige Überlebensstrategie. Es ist besser, der König eines kleinen Dorfes zu sein, als ein Bettler in einer Metropole.
Dennoch bleibt dieser bittere Beigeschmack, dass man seinen digitalen Auftritt nicht für Menschen optimiert, sondern für eine mathematische Formel. Jedes Mal, wenn ich das Wort Ausbilder weglasse, nur um die Keyword-Dichte nicht zu gefährden, fühlt es sich wie ein kleiner Verrat an meiner tatsächlichen Arbeit an. Wir bauen Websites für Maschinen, die so tun, als würden sie für Menschen entscheiden. Es ist eine Simulation von Relevanz. Wenn ich heute einen Text schreibe, frage ich mich nicht mehr zuerst, ob er für meine Schüler nützlich ist, sondern ob er genug semantische Verknüpfungen bietet, um die semantische Suche von Google zu befriedigen. Wir passen unser Denken der Struktur der Suchmaschine an.
Der Ausblick in den Wahnsinn
Was bleibt am Ende dieses Rants? SEO ist ein notwendiges Übel, eine moderne Form des Ablasshandels. Wir zahlen nicht mit Geld, sondern mit Zeit, Nerven und unserer sprachlichen Integrität. Ich werde weiterhin hreflang-Tags setzen, Backlinks jagen und meine Metadaten polieren. Nicht, weil es Spaß macht, sondern weil die Alternative die digitale Unsichtbarkeit ist. Und in einer Branche, in der die Online-Präsenz die neue Visitenkarte ist, kann man es sich schlicht nicht leisten, unsichtbar zu sein.
Vielleicht wird Google in ein paar Wochen ein Einsehen haben. Vielleicht erkennt der Crawler, dass die deutsche Seite für deutsche Suchanfragen tatsächlich die bessere Wahl ist. Bis dahin werde ich weiterhin hasserfüllte Blicke auf meinen Monitor werfen, wenn die englische Beschreibung mal wieder ganz oben steht. SEO ist ein Kampf, den man nie ganz gewinnt, man kann ihn nur so lange führen, bis man entweder oben steht oder die Lust verliert. Und da ich ein sturer IT-Dozent bin, werde ich wohl so lange weitermachen, bis Google meinen Namen endlich so buchstabiert, wie ich es will.
SEO ist die Kunst, sich für Roboter zu verkleiden, damit Menschen einen finden.
Mehrsprachigkeit ist ein technischer Albtraum, der mit Vorliebe die falschen Suchergebnisse liefert.
Backlinks sind die Währung des Internets, aber der Wechselkurs ist gnadenlos.
Die eigene Identität muss der Nische weichen, wenn man im Ranking überleben will.
Manchmal frage ich mich, ob die anderen Nico Hartmanns da draußen den gleichen Kampf führen. Ob der Fußballer auch frustriert ist, weil mein Blogpost über Softwareentwicklung über seinem letzten Spielbericht steht. Wenn ja, dann ist das zumindest ein kleiner Trost. In der Arena der Suchergebnisse gibt es keine Freunde, nur Konkurrenten um die Aufmerksamkeit eines Algorithmus, der keine Gnade kennt. Am Ende des Tages sitze ich wieder vor dem Rechner, passe die nächste Beschreibung an und hoffe auf das Beste. Denn wer nicht optimiert, der existiert nicht. Und existieren möchte ich dann doch ganz gerne, zumindest auf Seite eins.